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| 2026-09-23 | 2026-09-23 |
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Datenhaltung & Cache-Seitenkanäle bei Cloud-Inferenz
Kern: Netbits (@NetLightning) recherchierte im OME-Topic „Openclaw mit lokalen Modellen" (23.09.2026) die Datenhaltung bei Cloud-Inferenz — Anlass war unser Tier-0-Modell
deepseek-v4.1-flashauf Ollama Cloud. Ergebnis: Ollamas Zusagen sind ungewöhnlich stark, aber vertraglich, nicht technisch — Ollama verlangt Zero Data Retention von Partnern und weist selbst „model inference providers" als Dritte aus. Zweiter Befund: Prompt-Caching ist ein dokumentierter Timing-Seitenkanal — zwei peer-reviewte Arbeiten zeigen Cache-Sharing über Nutzergrenzen hinweg bei mehreren kommerziellen APIs. Prompt- und Policy-Zitate des Posts wurden vollständig verifiziert; zwei Angaben des Posts sind falsch (siehe Korrekturen unten).
Was Ollama zusagt (verifiziert am 2026-09-23)
Abgerufen direkt von den Primärquellen — Privacy Policy und Pricing-Seite:
| Zusage | Wortlaut (Quelle) |
|---|---|
| Transiente Verarbeitung | „we process this content transiently to provide the Service and this content is not stored beyond the time required to fulfill the request" (Privacy §2) |
| Kein Training | „We do not use your inputs or outputs to train any AI models" (Privacy §2); „Prompt or response data is never logged or trained on" (Pricing-FAQ) |
| ZDR-Anforderung an Partner | „When Ollama partners with providers, we require no logging, no training, and zero data retention policies in place" (Pricing-FAQ) |
| Hosting-Standorte | „primarily in the United States. To serve global demand, we may route to Europe and Singapore for additional capacity" (Pricing-FAQ) |
| Partner | „Ollama collaborates with NVIDIA Cloud Providers (NCPs) to host open models" (Pricing-FAQ) |
| Dritte (Privacy §5) | „Third parties who help us operate (e.g., Stripe for payments, cloud infrastructure providers, model inference providers)" |
| Gewichte | „Native weights, as released by the model provider"; Hardware-Formate wie NVFP4 auf Blackwell/Vera Rubin (Pricing-FAQ) |
Der Vergleich mit anderen Anbietern (OpenAI 30 Tage, Anthropic 7 Tage, Google bis 18 Monate), den der Post zieht, ist hier nicht nachgeprüft — als Claim des Posts behandelt, nicht als Wiki-Fakt.
Die Lücke: vertraglich statt technisch
Zwei strukturelle Punkte, die beide durch Ollamas eigene Dokumente gedeckt sind:
- Ollama betreibt nicht alle Cloud-Modelle auf eigener Hardware. Die Privacy Policy nennt „model inference providers" ausdrücklich als dritte Partei, die am Betrieb beteiligt ist. Die ZDR-Zusage ist damit eine Anforderung an Partner, die Ollama nicht selbst messt — es gibt (Stand Ingest) keine unabhängige Prüfung.
- Ob Datenhaltung greift, hängt am Modell. Entscheidend ist, welches Modell man fährt und bei welchem Betreiber es landet. Genau diese Frage stellt offenbar auch die Community — siehe GitHub Issue unten.
GitHub Issue #14279 — offene Frage, nicht Befund
Der Post zitiert ollama/ollama#14279 als „dokumentierte Lücke". Die eigene Prüfung ergibt: Das Issue existiert (Titel „Qwen3.5-397B-A17B Cloud data retention and privacy concerns", eröffnet von asitwere am 16.02.2026), ist aber unbeantwortet — Label question, kein Assignee, kein Milestone, keine Antwort, keine verlinkten PRs. Der Volltext ist eine Rückfrage:
„It looks like Alibaba is currently the only endpoint available for Qwen3.5, but Ollama's docs/advertising for Ollama Cloud provide data privacy assurances. Since Alibaba retains prompts & responses, can it be confirmed that users are not being routed to Alibaba APIs via Ollama Cloud?"
⚠️ Korrektur zum Post: Dokumentiert ist die Rückfrage, nicht die Routing-Praxis. Netbits' Formulierung „die Lücke, die dokumentiert ist" ist zu stark. Die zugrunde liegende Beobachtung (Ollama nennt Dritte selbst) bleibt davon unberührt — sie ist durch die Privacy Policy belegt.
DeepSeek-Verwechslung — die eigentlich gute Nachricht
Die berüchtigte DeepSeek-Datenschutzerklärung (Speicherung in China, Keystroke-Patterns) gilt für deepseek.com — die App und die eigene API. Sie gilt nicht, wenn ein offenes DeepSeek-Gewichtsmodell bei einem Dritten läuft. deepseek-v4.1-flash auf Ollama Cloud ist laut Pricing-FAQ ein offenes Gewichtsmodell auf NVIDIA-Cloud-Hardware — nicht die DeepSeek-API. Das ist ein Unterschied, den viele verwechseln, und er ist für unseren Stack der relevanteste Punkt dieses Posts.
Prompt-Caching als Seitenkanal (zwei peer-reviewte Arbeiten)
Prompt-Caching ist bei uns keine Randerscheinung, sondern Kern der Kostenstrategie — siehe ../prompt-caching.md. Genau deshalb ist dieser Teil relevant.
Gu et al., ICML 2025 — Audit kommerzieller APIs
arXiv:2502.07776, „Auditing Prompt Caching in Language Model APIs" — Chenchen Gu, Xiang Lisa Li, Rohith Kuditipudi, Percy Liang, Tatsunori Hashimoto (alle Stanford University), ICML 2025. Volltext und Abstract selbst geprüft.
- 17 API-Provider auditiert (Anthropic, Amazon Bedrock, Azure OpenAI, Cohere, Deep Infra, DeepSeek, Fireworks, Google, Groq, Hyperbolic, Lepton, Mistral, OctoAI, OpenAI, Perplexity, Replicate, Together).
- 8 Provider mit nachgewiesenem Prompt-Caching.
- 7 davon mit globalem Cache-Sharing über Nutzergrenzen — Azure, Deep Infra, Fireworks, Lepton, OpenAI (text-embedding-3-small), Perplexity, Replicate. Bei Anthropic (Claude 3 Haiku) und OpenAI (GPT-4o mini) nur per-org, kein globales Sharing.
- Methode: statistischer Timing-Audit (einseitiger Kolmogorov-Smirnov-Test) auf Time-to-First-Token von Cache-Hit vs. Cache-Miss.
- Nebenbefund: Sie leiteten per Timing ab, dass OpenAIs Embedding-Modell ein decoder-only Transformer ist — vorher nicht öffentlich bekannt.
- Wirkung: Nach verantwortungsvoller Offenlegung (60-Tage-Frist) änderten mindestens fünf Provider ihre Implementierung, z. B. Abschaltung globalen Cache-Sharings.
- DeepSeek: Caching war über Antwortzeiten nicht nachweisbar (Tabelle 2). Das Paper stellt fest, dass DeepSeek per-user-Isolation angibt und sie „empirically verified ... based on the number of cache hit tokens returned in the API responses". Die Zuschreibung „DeepSeek ist sauber" stimmt also — beruht aber auf gemeldeten Cache-Hit-Zählern, nicht auf Timing-Messung.
- Dokumentiertes per-Organisation-Sharing (OpenAI, Anthropic) wird von den Autoren nicht als Sicherheitslücke gewertet.
Wu et al., NDSS 2025 — PROMPTPEEK
„I Know What You Asked: Prompt Leakage via KV-Cache Sharing in Multi-Tenant LLM Serving" — Guanlong Wu, Weili Wang, Jianyu Niu, Yinqian Zhang (SUSTech) und Zheng Zhang, Yao Zhang, Ye Wu (ByteDance). PDF und NDSS-Seite selbst geprüft.
- Angriff: PROMPTPEEK. KV-Cache-Sharing identischer Token-Präfixe in Multi-Tenant-Serving (SGLang, vLLM); Cache-Hits sind über Serving-Reihenfolge bzw. TTFT beobachtbar, der Angreifer ist einfach ein zweiter Tenant.
- Drei Szenarien: Whole Prompt Reconstruction, Input Reconstruction, Template Reconstruction.
- Ergebnisse (Llama-2-13B, A100 80 GB): 99 % Erfolgsrate bei Prompt-Input-Rekonstruktion (Reversal Ratio 99 %); 98 % bei Prompt-Templates (91 % Reversal); 95 % bei Whole-Prompt ohne Vorwissen (81 % Reversal).
- PII-Nachweis: Aus einem Cloze-Prompt (BMI-Beispiel mit Platzhaltern für Geschlecht, Alter, Gewicht, Größe) ließen sich alle Platzhalter mit 60 Requests rekonstruieren — Beispielwerte „male", „35", „90kg", „5 feet 9 inches".
- Offenlegung/Mitigation: Die Autoren geben Gespräche mit SGLang an; diskutiert werden Obfuskation mit seltenen Tokens, Randomisierung des Longest-Prefix-Matching und das Anfordern von M>1 gemeinsamen Tokens. Lessons Learnt an Provider: KV-Cache-Lebenszyklus modellieren, Cache-Aktivität vor Clients verschleiern, Request-Volumen pro Client kontrollieren.
⚠️ Korrektur zum Post: Der Post attribuiert die Arbeit an einer Stelle der „Stanford-Studie". PROMPTPEEK stammt von SUSTech/ByteDance; die Stanford-Arbeit ist das ICML-Paper von Gu et al. Beide im Post getrennt genannt, in der Zuordnung aber vermischt.
Netzwerk-Faktencheck — nicht reproduzierbar
Netbits' Check behauptet, der Gateway habe genau eine ausgehende Verbindung (192.168.100.4 → 76.76.21.123:443) und die IP gehöre Amazon (Walnut, CA) und sei ollama.com. Eigene Prüfung aus dem Hector-Container (2026-09-23):
| Behauptung | Prüfergebnis |
|---|---|
192.168.100.4 = „deine Maschine" |
Nicht dieser Container. Er hat 172.20.0.10, 172.21.0.8, 100.80.221.60 — 192.168.100.4 ist eine LAN-Adresse außerhalb. |
76.76.21.123 gehört Amazon |
Falsch. ARIN-RDAP für 76.76.21.0/24: Handle NET-76-76-21-0-1, Netname VERCEL-01, Registrant Vercel, Inc (Walnut, CA). Kein PTR. |
| Die IP ist ollama.com | Nicht bestätigt. Auflösung von hier: ollama.com → 34.36.133.15 (ARIN GOOGL-2, Google Cloud); api.ollama.com und registry.ollama.ai über Cloudflare; ollama.com antwortet mit server: Google Frontend. |
| „genau eine Verbindung, ein einziger Anbieter" | Nicht reproduzierbar; laut Ollama-Pricing ist Routing nach Europa und Singapur möglich — „ein Anbieter" wäre ohnehin nur eine Momentaufnahme. |
Der methodische Wert des Checks bleibt: Die Frage „welche Endpunkte spricht mein Agent tatsächlich an" ist sinnvoll und nachprüfbar. Die konkrete Zuordnung ist fehlerhaft.
Konsequenzen für unseren Stack
- Was wir wissen: Unser Tier-0-Modell läuft als offenes Gewichtsmodell über Ollama Cloud auf NVIDIA-Cloud-Providern — nicht über die DeepSeek-API. Die datenschutzpolitisch problematische DeepSeek-Erklärung greift damit nicht.
- Was wir nicht wissen: ob die ZDR-Anforderung bei jedem Partner und für jedes Modell tatsächlich eingehalten wird. Ollamas Cache-Isolation (und die jedes anderen Anbieters außerhalb des Stanford-Audits) ist nicht unabhängig getestet. Das ist eine offene Frage, keine Warnung.
- Prompt-Caching: Wir nutzen es stark (Kostenhebel, siehe ../prompt-caching.md). Der Seitenkanal-Risikofaktor ist Cache-Sharing über Nutzergrenzen. Per-User- bzw. per-Org-Isolation entschärft ihn; globales Sharing ist der problematische Fall. Für die eigenen Inhalte gilt: Was nicht in einen fremden Cache soll, gehört nicht in einen geteilten Präfix über einen Multi-Tenant-Dienst — oder auf lokale Hardware (../hardware/cloud-exit-and-local-superiority.md, ../../tools/ollama-cloud-deepseek-v4-flash-200tps-zdr.md).
Verwandte Seiten
- ../prompt-caching.md — Technik und Kostenhebel, plus neuer Sicherheitsabschnitt
- ../llm/deepseek-v4.1-flash.md — das Modell, um das es konkret ging (KV-Cache-Optimierung, API)
- ../../tools/ollama-cloud-deepseek-v4-flash-200tps-zdr.md — Ollama Cloud als Tier-0-Lieferant, ZDR-Aussage aus dem Launch-Post
- ../llm/ki-souveraenitaet-dezentralisierung.md — normativer Überbau: Cloud vs. lokal, Souveränität
- ../hardware/cloud-exit-and-local-superiority.md — lokale Ausführung als Antwort auf Provider-Abhängigkeit
- ../../tools/agentcloak-desktop.md — lokale PII-Redaktion vor Cloud-Aufrufen (praktische Gegenmaßnahme)
- ../llm/chinese-model-cost-routing.md — warum chinesische Modelle überhaupt bei Dritt-Hostern laufen
Quellen
- Ollama Privacy Policy: https://ollama.com/privacy (abgerufen 2026-09-23, Zitate verifiziert)
- Ollama Pricing / Privacy-FAQ: https://ollama.com/pricing (abgerufen 2026-09-23, Zitate verifiziert)
- GitHub Issue: https://github.com/ollama/ollama/issues/14279 (existiert, unbeantwortet)
- Gu et al., ICML 2025: arXiv:2502.07776 · DOI
- Wu et al., NDSS 2025: Paper-Seite · PDF
- Raw (Post + Verifikationsprotokoll): raw/other/2026-09-23_netbits-ollama-cloud-privacy-prompt-caching.md